Qualitätssicherung und Akkreditierung

18.3.2010

Die Idee, Studienabschlüsse in Europa vergleichbar zu gestalten, ist im Prinzip gut. Es wäre zu wünschen, dass mehr von unseren Studenten eines oder mehrere Semester im europäischen Ausland verbringen und diese Studienleistungen unbürokratisch und transparent anrechnen könnten. Da aber nicht nur staatliche Universitäten, sondern jetzt auch private Institutionen "degrees" vergeben, muss man eine Absicherung gegen den Wildwuchs einbauen. Das ist der philosophischer Kern hinter den Akkreditierungsagenturen.

Statt jedoch ganze Institutionen ein für allemal zu akkreditieren, wird jeder Studiengang einzeln akkreditiert. Der bürokratische Aufwand und die Kosten sind enorm (bis zu 13.000 Euro pro Studiengang). Theoretisch könnte man Akkreditierungen von Studiengängen bündeln, um die Kosten zu reduzieren, aber es ist noch unklar, wie dies alles in Zukunft gehandhabt werden wird.

Ich übergebe einfach das Wort an Bernhard Kempen, Präsident des Hochschulverbandes, der bei einem Spiegel-Interview im Dezember 2009 gesagt hat:

"Wir fordern die Politik auf, den Akkreditierungszwang abzuschaffen (...) Wir werden uns ab jetzt wirksam verweigern. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, dass sie ihre Arbeit im Akkreditierungsrat und in den Akkreditierungsagenturen niederlegen. Da wird letztlich das Geld verpulvert, das den Studenten zugute kommen könnte (...) Wir sagen erstens: Gebt denen die Hoheit über den Bachelor zurück, die sich am besten auskennen mit dem Studium, den Professoren. Die sollen studierbare Studiengänge draus machen. Und zweitens: Lasst die Hochschulen selbst ein Instrument der Qualitätssicherung aufbauen. Da sollten dann auch Studenten mit drin sitzen."

Die Berliner Universitäten sollten sich zusammentun und eine einheitliche Linie in Bezug auf die Akkreditierung fahren. Das Geld der Universitäten soll für Ausbildung und nicht für Bürokratie ausgegeben werden, genau so wie es Kempen vorschlägt.

Gleichzeitig sollte man jedoch privaten Ausbildungsträgern auf die Finger schauen, da der befürchtete Wildwuchs bereits eingesetzt hat. Private Bachelor- und Masterstudiengänge schiessen wie Pilze aus dem Boden. Anscheinend kann jetzt jeder seine eigene Fachhochschule im Hinterhof betreiben.