Die halbierte Universität

17.3.2010

Die FU Berlin erreichte 1992 ihren Immatrikulations-Höchststand: circa 60.000 Studenten waren damals bei uns. Allerdings wurde ein Jahr davor vom Berliner Senat beschlossen, die Anzahl der Studienplätze in Berlin von 115.000 auf 100.000 zu reduzieren, danach sogar auf 85.000. Mehr und mehr Sparvorgaben wurden über die Berliner Universitäten verhängt. Heute bildet die FU Berlin nur noch um die 31.000 Studenten aus. Die Hälfte von 1992.

Hinsichtlich der Anzahl der Professoren, ist die FU ebenfalls halbiert worden. Hatten wir 1992 noch 730 Professorenstellen (ohne die Medizin), waren diese 2002 bereits auf 425 gesunken. Weitere Sparrunden ließen die Anzahl der Hochschullehrerstellen auf circa 360 sinken; so wie es im Strukturplan der FU festgelegt worden war. Mit der Einführung von Junior-Professuren ist die Zahl der Hochschullehrer nur leicht angestiegen.

Schauen wir jedoch auf die andere Seite des Globus, auf die Anzahl von Dozenten an der Stanford University. Der Bericht von 2010 gibt die Anzahl der Professorenstellen mit 1910 an (davon 432 in der Medizin). 16 Nobelpreisträger kann man auf dem Campus treffen, und 135 Professoren sind Mitglied der National Academy of Sciences. Studenten gibt es nur 15.500 (inklusive Graduierte).

Dies bedeutet: Auch wenn wir sämtliche Professorenstellen an den drei Berliner Universitäten (die UdK ist ein Spezialfall) zusammenlegen würden, würden wir nicht einmal die Dimensionen von Stanford erreichen. Und das mit sechs Mal sovielen Studenten!

Über die Naivität der Politiker, die regelmäßig laut über die Entstehung von "Silicon Valleys" auf der grünen Wiese träumen, kann man nur schmunzeln. Silicon Valley ist organisch mit der Universität Stanford gewachsen. Weltkonzerne wie Hewlett Packard, Silicon Graphics, Sun Microsystems, Yahoo oder Google wären ohne dieses Umfeld nicht denkbar.

Das sind die Dimensionen akademischer Exzellenz in anderen Ländern. Die Berliner Politik hat auf diese Herausforderung jedoch mit einem undifferenzierten und letztendlich schädlichen Sparprogramm reagiert. Es wird regelmässig gepredigt, dass Berlin nur Wissenschaft und Kultur hat, jedoch ohne die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.

Universitäten brauchen eine akademische "kritische Masse" um lebensfähig zu bleiben, um das Humboldtsche Ideal der Verbindung von Lehre und Forschung aufrechterhalten zu können. Wenn dies fehlt, dümpeln manche Bereiche der Universität langsam dahin, in die Mittelmäßigkeit. Dies ist unsere dringlichste Herausforderung, da uns die kritische Masse abhanden gekommen ist. 1991 wollten die Berliner Politiker eine Universität schließen. Wenn man alle Kürzungen an den Berliner Universitäten zusammen addiert, ist es ihnen sogar gelungen, eineinhalb Universitäten zu schließen.